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Jahreszeiten

Hyazinthenglas, Sturmlaterne, Kupferkessel, Schwibbogen: die Objekte hinter den Festen.

Feste sind für Sammler die besten Termine des Jahres, weil bei fast jedem Fest eigene Objekte entstanden sind: Hyazinthengläser im Winter, Eierbecher zu Ostern, Kupferkessel im Herbst, Schwibbogen im Advent. Diese Rubrik folgt deshalb nicht dem Dekorationskalender, sondern den Gegenständen, die zu einer Jahreszeit gehören – und der Frage, wie alt sie wirklich sind.

Im Frühjahr sind das die Hyazinthengläser, eine Erfindung des 18. und 19. Jahrhunderts: eine Zwiebel sitzt in der Einschnürung, die Wurzeln wachsen ins Wasser, die Zwiebel selbst bleibt trocken. Sie funktionieren bis heute, und man erkennt die alten an Blasen im Glas und am unpolierten Abriss unter dem Fuß. Im Sommer sind es die Sturmlaternen – robuste Petroleumleuchten, von denen manche Bauformen seit über hundert Jahren nahezu unverändert gebaut werden, was das Datieren erschwert.

Der Herbst gehört dem Kupfer. Alte Kupferkessel sind innen verzinnt; ist die Verzinnung weg, sind sie Deko und kein Kochgeschirr mehr. Das ist eine der wenigen Stellen, an denen ein Sammlerthema und eine Gesundheitsfrage direkt zusammenfallen.

Ostern ist die Rubrik der Marken: Porzellanhasen tragen Bodenmarken, die sich über die Jahrzehnte verändert haben, und genau daran lässt sich ein Stück oft auf ein Jahrzehnt genau einordnen. Der Advent ist die Rubrik der Geschichte: der Adventskranz geht auf Johann Hinrich Wichern zurück, der 1839 in seinem Hamburger Rauhen Haus ein Wagenrad mit Kerzen aufhängte. Und wenn Besuch kommt, stellt sich die praktischste Frage von allen: welches alte Geschirr darf überhaupt noch auf den Tisch?

Wer einmal weiß, woher ein Brauch kommt, dekoriert anders. Nicht schöner unbedingt, aber genauer.

Wer saisonal sammelt, hat ein Problem, das andere Sammler nicht kennen: elf Monate Lagerung. Meine Erfahrung nach einigen zerbrochenen Stücken: Zeitungspapier ist schlechter als sein Ruf – die Druckerschwärze färbt auf porösem Steingut und auf unglasiertem Ton ab. Seidenpapier oder ein Baumwolltuch kosten wenig und machen das nicht. Alte Glaskugeln gehören einzeln gewickelt, nicht in eine gemeinsame Kiste, weil dünnwandiges Glas beim Aneinanderstoßen nicht springt, sondern zerfällt. Und Kerzenwachs, das über den Sommer in einem warmen Dachboden steht, läuft aus und ist aus Emaille leicht, aus poröser Terrakotta fast nicht mehr zu entfernen.

Ein zweiter Punkt betrifft das Datieren. Gerade bei Weihnachts- und Osterdeko sind Nachbauten besonders häufig, weil die Nachfrage jedes Jahr zurückkehrt. Ein Anhaltspunkt: alte Formen sind fast immer schwerer und unregelmäßiger als ihre modernen Kopien, und alte Bemalung sitzt selten perfekt im Konturenrand.

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