Gedeckter Gartentisch am Sommerabend mit Kerzenlicht und Emaillegeschirr

Jahreszeiten

Sommer: Abende im Garten mit Laternen und Emaille

Veröffentlicht 2. Mai 2026

Foto: Timo Newton-Syms from Helsinki, Finland and Chalfont St Giles, Bucks, UK · CC BY-SA 2.0 · Wikimedia Commons

Sturmlaternen für Petroleum werden in einigen Bauformen seit über hundert Jahren nahezu unverändert gebaut – deshalb sagt die Form wenig über das Alter, das Blech und die Beschriftung dagegen viel. Und Emaille ist das einzige alte Geschirr, das draußen wirklich standhält.

An warmen Abenden esse ich fast jeden Tag draußen, auch wenn es nur Brot mit Käse ist. Letzten Juli saß ich mit nassen Füßen im Gras, weil ich vergessen hatte, dass der Rasensprenger noch anlief, und balancierte trotzdem eine emaillierte Kanne mit kaltem Tee auf dem wackligen Gartentisch. Genau solche kleinen Missgeschicke gehören für mich zum Sommer wie das Licht der Laternen, wenn es endlich dunkel wird.

Laternen: von Kerze bis Windlicht

Ich mag keine Solarlaternen, die kaltweiß aufleuchten, sobald die Sonne untergeht - sie passen für mich nicht zu alten Möbeln und Emaillegeschirr auf dem Tisch. Lieber stelle ich echte Windlichter aus dickem Glas auf, in denen eine Kerze auch bei leichtem Wind nicht sofort ausgeht, dazu ein, zwei alte Blechlaternen mit durchbrochenem Muster, die ein Sternenmuster auf die Terrassenplatten werfen.

Neulich ist mir in einem Online-Shop ein MadDeco Teelichthalter Jäger mit Hund aufgefallen, der genau diese rustikale, leicht altmodische Stimmung trifft, wie man sie sonst nur auf dem Flohmarkt findet.

Petroleumlaternen: alt, neu und der Unterschied

Sturmlaternen sind ein Sammelgebiet mit einer Besonderheit: Einige Modelle werden seit Jahrzehnten in praktisch unveränderter Form gebaut, weil sie funktionieren. Ein Blick auf die Form hilft deshalb nicht weiter. Was hilft:

  • Die Beschriftung auf dem Tank. Ältere deutsche Laternen tragen geprägte Herstellernamen und Modellnummern; spätere Ware ist bedruckt oder trägt nur ein Aufkleberetikett.
  • Das Blech. Alte Laternen sind aus verzinktem Stahlblech, oft mit sichtbaren Löt- und Falznähten. Neuere sind sauber gepunktet oder lackiert.
  • Das Glas. Originalgläser tragen häufig eine eingeprägte Marke; ein glattes, unbeschriftetes Glas ist meist ein Ersatzteil.
  • Der Brenner. Ein Flachdochtbrenner mit Rändelrad aus Messing ist ein gutes Zeichen; Kunststoffteile sind es nicht.

Für den Betrieb gilt: Nur Petroleum oder Lampenöl verwenden, nie Benzin oder Spiritus – das ist keine Stilfrage, sondern eine Brandgefahr. Der Docht sollte knapp über den Brenner stehen; steht er zu hoch, rußt die Laterne und das Glas wird schwarz. Und eine heiße Laterne nie mit kaltem Wasser abkühlen, weil das Glas springt.

Emaille auf dem Sommertisch

Emaillegeschirr ist für mich der ideale Begleiter für draußen: leicht, bruchsicher genug für den Rasen und trotzdem mit dem Charme alter Küchen. Meine blau gesprenkelten Becher stammen aus drei verschiedenen Sets, die ich nie ergänzt habe, weil die Mischung mir besser gefällt als ein einheitliches Service.

Ein Nachteil: Emaille wird in der Sonne richtig heiß, das habe ich einmal schmerzhaft gemerkt, als ich eine Kanne vom Tisch nehmen wollte, die eine Stunde in der Sonne gestanden hatte. Seitdem stelle ich zumindest die Kanne in den Schatten des Sonnenschirms.

Warum Emaille draußen besser ist als alles andere

Emaille auf Stahlblech ist für den Garten aus einem Grund ideal, den man selten liest: Sie ist temperaturunempfindlich und UV-stabil. Kunststoffgeschirr wird spröde, Holz quillt, Keramik springt bei Frost, und lackiertes Blech blättert. Emaille tut nichts davon, solange die Glasur geschlossen ist.

Die Schwachstelle ist bekannt: Wo Email abplatzt, rostet der Stahl darunter. Draußen geht das schneller als drinnen. Meine Praxis: Emailleware nach dem Sommerabend abwaschen und sofort abtrocknen, besonders die Ränder, wo die Emailleschicht am dünnsten ist. Und nicht über Nacht im Gras stehen lassen – Tau reicht, um an einer Fehlstelle einen Rostfleck zu erzeugen.

Ein Detail zum Kaufen: Für draußen suche ich bewusst Stücke, die schon Abplatzungen haben. Sie kosten fast nichts, sehen schön aus und sind das, was ich fallen lassen darf. Die makellosen Stücke bleiben in der Küche.

Den Tisch draußen richtig decken

Draußen decke ich lockerer als drinnen: kein gebügeltes Tischtuch, eher ein grobes Leinentuch, das auch einen Rotweinfleck verzeihen darf. Blumen aus dem eigenen Garten, oft nur ein paar Zweige Lavendel in einem alten Konfitürenglas, ersetzen bei mir die große Vase vom Wohnzimmertisch.

Besteck muss draußen nicht zusammenpassen; ich mische bewusst altes Silberbesteck mit einfachen Edelstahlgabeln, weil niemand beim Grillabend genau hinschaut, aber jeder die besondere Atmosphäre spürt, ohne zu wissen warum.

Der Teelichthalter und andere Stücke, die nur so aussehen

Nicht alles, was auf einem Sommertisch nach altem Handwerk aussieht, ist es. Ein großer Teil der heutigen Gartendeko besteht aus Polyresin – einem Gießharz mit Steinmehl –, das gegossen, bemalt und künstlich patiniert wird. Erkennbar ist es an drei Dingen: Es fühlt sich innerhalb von Sekunden handwarm an, während Metall und Stein lange kühl bleiben. Es klingt beim Anklopfen dumpf und tot. Und an Bruchstellen sieht man eine gleichmäßig helle, körnige Masse ohne Struktur.

Das ist kein Argument gegen solche Stücke – für den Garten sind sie leicht und frostbeständig, und ein hübscher Teelichthalter ist ein hübscher Teelichthalter. Es ist ein Argument gegen den falschen Preis. Ich zahle für Polyresin, was Polyresin kostet, und für Gusseisen, was Gusseisen kostet. Wer den Unterschied kennt, wird beim Kauf nicht überrascht.

Was der Tau anrichtet

Der häufigste Schaden an Sommer-Fundstücken entsteht nicht am Abend, sondern nachts. Selbst ohne Regen setzt sich Tau ab, und der reicht bei Emaille mit Abplatzungen, bei lackiertem Blech und bei verzinktem Stahl an Bohrlöchern für den ersten Rostpunkt.

Ich habe mir deshalb eine unspektakuläre Regel angewöhnt: Was aus Metall ist und alt, kommt abends mit hinein – ein Handgriff, der zwei Minuten kostet. Was draußen bleiben muss, bekommt Abstand zum Boden und steht so, dass Wasser ablaufen kann; also Becher nach unten, Schüsseln nach unten, Laternen mit offener Unterseite. Wer eine Emailleschüssel mit der Öffnung nach oben stehen lässt, findet morgens ein Wasserbad darin, und genau dort beginnt der Rost.

Mücken, Wind und andere Sommerrealitäten

So schön Laternenlicht ist, so sehr zieht es auch Mücken an. Ich stelle deshalb Citronella-Kerzen in alten Blechdosen zwischen die dekorativen Laternen, unauffällig, aber wirksam genug für einen ruhigen Abend. Ein Windschutz aus Glas ist bei mir Pflicht, seit eine Kerze einmal beinahe die Tischdecke in Brand gesetzt hätte, weil eine Windböe die Flamme zu weit kippte.

Am Ende des Abends trage ich alles wieder hinein, auch wenn es mühsam ist - Emaille und Blech vertragen zwar Regen besser als Holz, aber der Morgentau lässt sie schneller anlaufen, als mir lieb ist.

Häufige Fragen

Warum keine Solarlaternen zu altem Emaillegeschirr?
Solarlicht wirkt oft kalt und technisch und passt farblich selten zu warmem, altem Material. Echte Kerzen oder Windlichter erzeugen ein wärmeres, unruhigeres Licht, das besser zu Vintage-Dekoration passt.
Wie schützt man Kerzen draußen vor Wind?
Ein Windlicht aus dickem Glas oder eine Laterne mit durchbrochenem Blech schützt die Flamme zuverlässig. Offene Kerzen ohne Schutz sollte man nur bei völliger Windstille auf den Tisch stellen.
Wie lagere ich eine Petroleumlaterne über den Winter?
Tank leeren, Docht herausnehmen oder trocken legen, Glas separat verpacken. Petroleum, das über Monate im Tank steht, verharzt und verstopft den Docht – das ist der häufigste Grund, warum eine Laterne im Frühjahr nicht mehr brennen will.
Ist eine Kerze im Windlicht draußen sicher?
Sicherer als eine offene Flamme, aber nicht unbeaufsichtigt. Ein geschlossenes Glas schützt vor Wind; die Gefahr kommt von umgestoßenen Behältern und von Textilien in der Nähe. Mindestens eine Handbreit Abstand zu allem Brennbaren, und beim Weggehen auspusten.
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