Bei Porzellanfiguren steht das Alter in der Bodenmarke. Die großen deutschen Manufakturen haben ihre Marken über die Jahrzehnte mehrfach geändert, und wer die Abfolge kennt, datiert einen Osterhasen auf ein Jahrzehnt genau – was bei Eierbechern über den Preis entscheidet.
Meine Eierbecher-Sammlung begann mit einem einzigen Stück: einem kleinen Porzellanhasen mit einer Mulde auf dem Rücken, den ich für einen Euro auf einem Kirchenbasar gekauft habe, weil ich ihn albern fand. 20 Jahre später sind daraus siebzehn verschiedene Eierbecher geworden, kein einziger passt zum anderen, und genau das freut mich jedes Ostern aufs Neue.
Eine Eierbecher-Sammlung, die nie fertig ist
Ich suche auf jedem Flohmarkt kurz nach Eierbechern, meist in der Kiste mit dem Kleinkram, wo niemand sonst hinschaut. Porzellanhasen, kleine Hühner, schlichte Steingutbecher mit blauem Rand - ich kaufe fast alles, was mir gefällt, ohne auf ein einheitliches Bild zu achten.
Beim Osterbrunch stelle ich sie bunt gemischt an jeden Platz, oft passend zum Charakter des Gastes: die schrägste Figur bekommt mein Patenkind, die klassischste meine konservative Schwiegermutter. Bisher hat sich niemand beschwert, im Gegenteil, es ist inzwischen ein kleines Ritual geworden.
Was die Bodenmarke über das Jahrzehnt sagt
Manufakturen haben ihre Marken regelmäßig geändert – teils aus rechtlichen Gründen, teils aus Marketinggründen. Für Sammler ist das ein Geschenk, weil eine Marke damit ein Zeitfenster benennt.
Bei den bekannten Figurenherstellern wechselten die Zeichen mehrfach im Lauf des 20. Jahrhunderts, und die Reihenfolge dieser Zeichen ist in Sammlerliteratur und Markenverzeichnissen dokumentiert. Man muss sie nicht auswendig kennen; man muss nur wissen, dass es sie gibt, und dann nachschlagen.
Drei allgemeine Beobachtungen helfen auch ohne Verzeichnis. Erstens: Eine Marke, die unter der Glasur liegt und sich glatt anfühlt, gehört zu höherwertiger Ware; eine aufgestempelte über der Glasur reibt sich ab. Zweitens: Zusätze wie eine Modellnummer, eine Malernummer und eine geritzte Formnummer sprechen für eine Manufaktur mit Serienproduktion und lassen sich zuordnen. Drittens: „Handbemalt“ in deutscher Sprache ohne Herstellernamen steht meist auf Ware für den Inlandsmarkt der Nachkriegszeit.
Altes Geschirr für den Osterbrunch
Für den Brunch selbst hole ich mein gemischtes altes Geschirr heraus, nie ein durchgehendes Set. Ein Blumenteller aus den fünfziger Jahren neben einer schlichten weißen Untertasse wirkt für mich lebendiger als ein makelloses, gekauftes Service.
Ich habe früher versucht, wenigstens die Farben aufeinander abzustimmen, und irgendwann gemerkt, dass das den ganzen Charme nimmt. Heute gilt bei mir nur eine Regel: alles muss tatsächlich benutzbar sein, kein Stück darf nur zur Deko herumstehen, wenn Gäste am Tisch sitzen.
Nachgüsse erkennen
Beliebte Figuren werden nachgegossen, und die Kopien sind auf Fotos kaum zu erkennen. In der Hand schon. Ein Nachguss aus einer Form, die von einem fertigen Stück abgenommen wurde, ist kleiner als das Original, weil Porzellan beim Brand deutlich schrumpft, je nach Masse gut ein Zehntel – wer zwei angeblich gleiche Figuren nebeneinander hat, sieht den Unterschied sofort.
Weitere Merkmale: Bei Kopien sind feine Details – Fellstriche, Augen, Blütenblätter – weicher und unschärfer, weil jede Formgeneration Schärfe verliert. Die Bemalung ist gleichmäßiger und liegt exakt in den Konturen, während Handbemalung leicht darüber hinausläuft. Und die Bodenmarke ist bei Kopien oft zu sauber, zu tief oder in einer Schriftart, die nicht zur behaupteten Zeit passt.
Ein Hinweis noch zum Preis: Für die meisten Osterfiguren der Nachkriegszeit bewegen sich die Preise im einstelligen bis niedrigen zweistelligen Bereich, weil sehr viele produziert wurden. Wer dreistellig zahlt, sollte den Hersteller und die Modellnummer kennen.
Ein Kranz aus Zweigen statt Plastikgras
Statt des klassischen bunten Plastikgrases lege ich seit Jahren einen selbst gebundenen Kranz aus dünnen Weidenzweigen auf den Tisch, in dessen Mitte die Eier liegen. Die Zweige schneide ich meist schon im Februar, wenn sie noch biegsam sind, und binde sie locker mit Bindedraht zusammen.
Der erste Versuch vor vielen Jahren fiel fast auseinander, weil ich die Zweige zu trocken hatte werden lassen, bevor ich sie band. Inzwischen weiß ich: frisch geschnitten und sofort verarbeitet, sonst brechen sie beim Biegen einfach ab.
Die Ostereier von früher
Neben Porzellanfiguren gibt es eine zweite, ältere Gruppe von Ostersammelstücken, die heute kaum noch jemand kennt: die Eier selbst. Vor der Zeit der Kunststoffeier gab es Ostereier aus Pappmaché – oft zweiteilig, zum Öffnen, mit einem Fach für Süßigkeiten –, Eier aus dünnem, bemaltem Blech und Eier aus Zuckerguss mit einem Guckloch.
Pappmaché-Eier erkennt man am Gewicht und an der Naht in der Mitte; das Papier ist innen häufig sichtbar, manchmal sogar bedrucktes Altpapier, was beim Datieren hilft. Sie sind selten geworden, weil Papier Feuchtigkeit nicht verzeiht.
Praktisch heißt das für die Aufbewahrung: trocken, dunkel und nicht zusammen mit Kerzen oder Wachs. Und nicht abwaschen. Ich habe ein bemaltes Blechei einmal feucht abgewischt und dabei die Lackfarbe angelöst – das war ein Anfängerfehler, der sich nicht rückgängig machen ließ.
Zweige schneiden: der richtige Zeitpunkt
Weiden- und Haselzweige lassen sich am besten verarbeiten, solange sie noch Saft führen, also im Spätwinter vor dem Austrieb. Später werden sie brüchig und brechen beim Biegen. Das ist der Grund, warum mein Kranz aus Februarzweigen hält und der aus Aprilzweigen nicht gehalten hat.
Ein rechtlicher Hinweis, den ich für wichtig halte: In Deutschland gilt zwischen dem 1. März und dem 30. September ein Schnittverbot für Hecken, Gebüsche und lebende Zäune nach dem Bundesnaturschutzgesetz; schonende Form- und Pflegeschnitte sind ausgenommen. Im eigenen Garten und im Winter ist das unproblematisch, in der Feldflur und an fremden Gehölzen ist es das nicht. Wer im Februar schneidet, liegt richtig – auch aus diesem Grund.
Kleine Fehler, die zur Tradition wurden
Ein Jahr habe ich die Ostereier zu lange gekocht und die Schalen bekamen diese unschöne graue Verfärbung um das Eigelb - seitdem erzähle ich jedem Gast stolz, dass graues Ei bei uns fast schon Tradition sei, um von meinem eigenen Missgeschick abzulenken. Niemand hat mir das bisher geglaubt, aber alle lachen jedes Jahr wieder mit.
Auch der Porzellanhase mit der Mulde hat inzwischen einen kleinen Sprung, seit er mir einmal beim Abwasch aus der Hand gerutscht ist. Ich habe ihn geklebt, statt ihn zu ersetzen. Manche Dinge dürfen sichtbar geflickt sein, auch an Ostern.



