Meine Eierbecher-Sammlung begann mit einem einzigen Stück: einem kleinen Porzellanhasen mit einer Mulde auf dem Rücken, den ich für einen Euro auf einem Kirchenbasar gekauft habe, weil ich ihn albern fand. Zwanzig Jahre später sind daraus siebzehn verschiedene Eierbecher geworden, kein einziger passt zum anderen, und genau das freut mich jedes Ostern aufs Neue.
Eine Eierbecher-Sammlung, die nie fertig ist
Ich suche auf jedem Flohmarkt kurz nach Eierbechern, meist in der Kiste mit dem Kleinkram, wo niemand sonst hinschaut. Porzellanhasen, kleine Hühner, schlichte Steingutbecher mit blauem Rand - ich kaufe fast alles, was mir gefällt, ohne auf ein einheitliches Bild zu achten.
Beim Osterbrunch stelle ich sie bunt gemischt an jeden Platz, oft passend zum Charakter des Gastes: die schrägste Figur bekommt mein Patenkind, die klassischste meine konservative Schwiegermutter. Bisher hat sich niemand beschwert, im Gegenteil, es ist inzwischen ein kleines Ritual geworden.
Altes Geschirr für den Osterbrunch
Für den Brunch selbst hole ich mein gemischtes altes Geschirr heraus, nie ein durchgehendes Set. Ein Blumenteller aus den fünfziger Jahren neben einer schlichten weißen Untertasse wirkt für mich lebendiger als ein makelloses, gekauftes Service.
Ich habe früher versucht, wenigstens die Farben aufeinander abzustimmen, und irgendwann gemerkt, dass das den ganzen Charme nimmt. Heute gilt bei mir nur eine Regel: alles muss tatsächlich benutzbar sein, kein Stück darf nur zur Deko herumstehen, wenn Gäste am Tisch sitzen.
Ein Kranz aus Zweigen statt Plastikgras
Statt des klassischen bunten Plastikgrases lege ich seit Jahren einen selbst gebundenen Kranz aus dünnen Weidenzweigen auf den Tisch, in dessen Mitte die Eier liegen. Die Zweige schneide ich meist schon im Februar, wenn sie noch biegsam sind, und binde sie locker mit Bindedraht zusammen.
Der erste Versuch vor vielen Jahren fiel fast auseinander, weil ich die Zweige zu trocken hatte werden lassen, bevor ich sie band. Inzwischen weiß ich: frisch geschnitten und sofort verarbeitet, sonst brechen sie beim Biegen einfach ab.
Kleine Fehler, die zur Tradition wurden
Ein Jahr habe ich die Ostereier zu lange gekocht und die Schalen bekamen diese unschöne graue Verfärbung um das Eigelb - seitdem erzähle ich jedem Gast stolz, dass graues Ei bei uns fast schon Tradition sei, um von meinem eigenen Missgeschick abzulenken. Niemand hat mir das bisher geglaubt, aber alle lachen jedes Jahr wieder mit.
Auch der Porzellanhase mit der Mulde hat inzwischen einen kleinen Sprung, seit er mir einmal beim Abwasch aus der Hand gerutscht ist. Ich habe ihn geklebt, statt ihn zu ersetzen. Manche Dinge dürfen sichtbar geflickt sein, auch an Ostern.



