Goldene Weihnachtskugel mit roter Schleife an einem grünen Tannenzweig

Jahreszeiten

Advent: wie meine Oma und ein bisschen wie ich

Veröffentlicht 11. Juli 2026

Foto: Noah Wulf · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Der Adventskranz geht auf Johann Hinrich Wichern zurück, der 1839 im Hamburger Rauhen Haus ein Wagenrad mit Kerzen aufhängte – eine für jeden Tag bis Weihnachten. Fast jedes Stück Adventsdeko hat so eine Geschichte, und sie hilft beim Datieren.

Bei meiner Oma in Nederland kam am fünften Dezember der Sinterklaas, mit Pfefferkuchen in Schuhen und einem Sack voller kleiner Gedichte, die jeder selbst schreiben musste. In Deutschland lernte ich dann einen ganz anderen Rhythmus kennen: vier Kerzen, vier Sonntage, ein langsames Näherkommen statt eines einzelnen lauten Abends. Ich feiere heute beides ein bisschen, was meine deutschen Nachbarn regelmäßig verwirrt.

Woher die Stücke kommen

Adventsdekoration ist erstaunlich jung, wenn man genau hinsieht, und fast jedes Element hat einen datierbaren Ursprung.

Der Adventskranz stammt von Johann Hinrich Wichern, der 1839 im Rauhen Haus in Hamburg ein Wagenrad mit Kerzen aufhängte, damit die Kinder die Tage bis Weihnachten zählen konnten. Die heutige Form mit vier Kerzen ist eine spätere Vereinfachung.

Gläserne Christbaumkugeln kommen aus Lauscha in Thüringen, wo sie ab der Mitte des 19. Jahrhunderts vor der Lampe geblasen wurden. Die frühen Kugeln sind sehr dünnwandig und innen verspiegelt.

Der Schwibbogen stammt aus dem Erzgebirge; das älteste bekannte Stück ist eine geschmiedete Arbeit aus dem frühen 18. Jahrhundert aus Johanngeorgenstadt. Die Motive zeigen ursprünglich Bergbauszenen, nicht Weihnachtsmotive – ein gutes Erkennungsmerkmal für alte Stücke.

Wer diese Herkünfte kennt, kauft anders. Ein Schwibbogen mit Rentieren ist ein modernes Produkt, auch wenn er aus Holz ist.

Die Kugeln meiner Oma – und wie man solche erkennt

Die Kugeln meiner Oma waren aus mundgeblasenem Glas, so dünn, dass man beim Aufhängen kaum atmen wollte. Ich habe zwei davon über die Jahre nach Deutschland gebracht, in Zeitungspapier gewickelt, eine ist trotzdem unterwegs zerbrochen, und ich habe tagelang getrauert wie um ein echtes Verlustereignis.

Auf Flohmärkten suche ich seitdem gezielt nach ähnlich dünnem, altem Glas, oft an der matten, leicht ungleichmäßigen Oberfläche zu erkennen. Moderne Kugeln sind meist dicker und schwerer, was praktischer ist, aber nie ganz dieses zerbrechliche Gefühl von damals erreicht.

Alte Glaskugeln erkennen

Bei Christbaumkugeln entscheidet die Wandstärke. Frühe Lauschaer Kugeln sind so dünn, dass sie sich fast schwerelos anfühlen; moderne Glaskugeln wiegen deutlich mehr, und Kunststoffkugeln fallen ohnehin auf.

Vier weitere Merkmale:

  • Der Abriss: Alte Kugeln wurden vom Glasrohr abgeschmolzen und haben oben eine unregelmäßige Öffnung, über die die Kappe sitzt.
  • Die Kappe: Alte Kappen sind aus dünnem, oft angelaufenem Blech mit einer einfachen Drahtschlaufe. Moderne sitzen fester und sind sauber vernickelt.
  • Die Verspiegelung: Ältere Kugeln sind innen mit einer Silberlösung verspiegelt, die stellenweise abblättert und dunkle Flecken bildet – bei modernen Kugeln passiert das nicht.
  • Der Dekor: Handbemalung mit Pinselspuren und aufgestreuter Glimmer ist alt, gleichmäßig gedruckte Muster sind es nicht.

Und dann gibt es noch eine Kategorie, die selten erkannt wird: Kriegs- und Nachkriegskugeln ohne Verspiegelung, weil Metall knapp war. Sie sind klar oder nur lackiert und heute gesucht.

Messingkerzenhalter für den Adventskranz

Ein Adventskranz mit Plastikkerzenhaltern kam für mich nie infrage, seit ich einen Satz Messingkerzenhalter vom Flohmarkt in Bocholt gefunden habe, leicht angelaufen, mit kleinen Dellen am Rand. Ich poliere sie nur einmal im Jahr, kurz vor dem ersten Advent, den Rest des Jahres dürfen sie ruhig dunkler werden.

Wichtig ist mir, dass die Kerzen nicht zu dick für die Halter sind - bei zu viel Druck springt manchmal der dünne Messingring, das ist mir einmal passiert, und ich musste den Halter notdürftig mit Draht reparieren.

Sinterklaas und deutscher Advent nebeneinander

Am fünften Dezember stelle ich für mich allein noch immer einen Schuh vor die Tür, auch wenn niemand mehr etwas hineinlegt außer mir selbst, aus Gewohnheit und ein bisschen Trotz. Danach beginnt für mich der eigentliche deutsche Advent, mit dem Kranz auf dem Tisch und einer Kerze mehr an jedem Sonntag.

Meine Nachbarin fragt jedes Jahr wieder, warum ich zwei verschiedene Traditionen feiere, und ich habe irgendwann aufgehört, das zu erklären. Manche Dinge muss man einfach behalten, auch wenn sie nicht ganz zusammenpassen.

Lagern, damit es das Jahr übersteht

Elf Monate Lagerung sind für Adventsdeko das eigentliche Risiko, nicht der Gebrauch. Drei Dinge habe ich mir angewöhnt, nachdem jeweils etwas kaputtgegangen war.

Dünnes Glas wird einzeln gewickelt, nicht in einer gemeinsamen Kiste. Zwei alte Kugeln, die aneinanderstoßen, brechen nicht am Rand, sondern zerfallen. Kein Zeitungspapier: Die Druckerschwärze färbt auf mattem, unlackiertem Glas und auf Holz ab, und bei alter Handbemalung ist das nicht mehr zu retten.

Kerzenwachs kommt vor dem Einlagern weg, nicht danach. Aus Messing lässt es sich mit warmem Wasser lösen; aus porösem Holz und aus unglasiertem Ton praktisch nicht mehr, wenn es einen Sommer lang eingezogen ist.

Und der Ort: nicht der Dachboden. Im Sommer werden dort leicht über 50 °C erreicht, und das ist genau die Temperatur, bei der alte Kerzen weich werden, Klebstoffe altern und Papierdeko wellt. Ein Kellerregal ist besser, solange es trocken ist.

Echte Kerzen auf Messing: was man beachten muss

Messingkerzenhalter aus dem Flohmarkt haben ein Problem, das man ihnen nicht ansieht: Die Tülle ist oft für die dünneren Kerzen früherer Jahrzehnte gebaut. Heutige Stabkerzen messen meist 22 mm im Durchmesser, ältere Halter sind auf 20 mm oder weniger ausgelegt. Wer eine zu dicke Kerze hineinzwingt, sprengt bei Wärme die Tülle auf.

Ich messe deshalb, bevor ich kaufe, und nehme im Zweifel dünnere Kerzen. Wo die Tülle zu weit ist, hilft ein Streifen Alufolie um den Kerzenfuß – ein alter Trick, der besser funktioniert als jeder Kerzenhalter-Einsatz aus Kunststoff.

Zweiter Punkt: Wachs auf Messing. Solange es kalt und hart ist, lässt es sich mit dem Fingernagel oder einem Holzstäbchen abheben. Was ich nicht mehr mache, ist das Erwärmen mit heißem Wasser bei lackierten Haltern – der alte Klarlack wird davon blind. Und niemals ein Messer: Die Kratzer sieht man ein Leben lang.

Wie ich Deko über die Jahre sammle, nicht kaufe

Meine Adventsdekoration ist über gut 20 Jahre gewachsen, nie an einem Nachmittag komplett gekauft. Jedes Jahr kommt vielleicht ein Stück dazu, ein altes Kerzenhalterpaar oder eine einzelne Kugel, nie ein ganzes neues Set. So bleibt die Sammlung uneinheitlich, aber genau das macht sie für mich echt.

Wenn ich die Kiste im November öffne, ist es fast wie ein kleines Wiedersehen mit jedem Fundstück und der Erinnerung daran, wo es herkam - vom Nachbarn, vom Markt in Anholt, aus Omas altem Schrank.

Häufige Fragen

Wie erkennt man altes, dünnes Christbaumkugelglas?
Es fühlt sich beim vorsichtigen Anfassen sehr leicht an, oft mit leicht unregelmäßiger, matter Oberfläche und einer feinen Aufhängeröse aus Metall. Moderne Kugeln sind meist deutlich schwerer und gleichmäßiger geformt.
Warum sollte man Messingkerzenhalter nicht zu oft polieren?
Häufiges Polieren trägt die natürliche Patina ab und macht den Halter unnötig blank und kalt wirkend. Einmal jährlich reicht meist aus, den Rest des Jahres darf Messing ruhig etwas nachdunkeln.
Wie viel sind alte Christbaumkugeln wert?
Einzelne Kugeln fast nichts – der Wert steckt in vollständigen, originalverpackten Sätzen und in seltenen Formen wie Figuren, Vögeln mit Federschwanz oder Freiformen. Ein Karton mit originalem Einleger ist mehr wert als sein Inhalt einzeln.
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