Alte Blechdosen sind Sammelstücke, aber selten Lebensmittelbehälter: innen sind sie oft unlackiert, und wo Rost sitzt, gehört kein offenes Mehl hinein. Steingutdosen mit intakter Glasur dürfen dagegen benutzt werden. Die Frage nach der Ordnung stellt sich erst danach.
Meine Vorratsdosen-Sammlung begann mit einer einzigen Blechdose für Mehl, die ich für 50 Cent auf einem Kirchenflohmarkt kaufte, weil mir die verschnörkelte Schrift darauf gefiel. 2 Jahre später standen bei mir über 30 Dosen aus Blech und Steingut in der Küche, in Regalen, auf der Anrichte und, ehrlich gesagt, auch einige im Keller, weil einfach kein Platz mehr war. An diesem Punkt musste ich mir eingestehen, dass Sammeln ohne Ordnung schnell in Chaos umschlägt, egal wie hübsch jedes einzelne Stück für sich ist.
Wie alt ist die Dose? Vier Anhaltspunkte
Blechdosen lassen sich überraschend gut einordnen, wenn man weiß, worauf man schaut.
- Die Verbindung: Ganz alte Dosen sind gelötet, erkennbar an einer silbrigen Naht innen. Ab dem 20. Jahrhundert setzt sich der gefalzte Blechmantel durch, später der maschinelle Rundfalz.
- Der Druck: Frühe Ware ist mit Offsetdruck direkt auf das Blech lithografiert, mit sichtbaren Farbrastern und leichten Passerfehlern. Neuere Ware zeigt ein feines, regelmäßiges Vierfarbraster.
- Die Schrift: Frakturschrift und altertümliche Rechtschreibung – „Caffee“, „Cacao“ – weisen deutlich vor die Mitte des 20. Jahrhunderts.
- Die Angaben: Eine Mengenangabe in Gramm mit dem e-Zeichen der EG-Fertigpackungsrichtlinie ist ein spätes Merkmal; Angaben in Pfund oder Unzen sind alt.
Bei Steingutdosen sagt die Bodenmarke am meisten. Deutsche Hersteller wie Villeroy & Boch oder die Bunzlauer Betriebe haben eigene Stempel; niederländische Ware trägt oft Namen wie Société Céramique oder Petrus Regout aus Maastricht. Fehlt die Marke ganz und ist der Boden unglasiert rau, spricht das für ältere, kleinere Manufakturen.
Blech oder Steingut: zwei sehr verschiedene Welten
Blechdosen sind leicht, meist bunt bedruckt oder lackiert, und eignen sich gut für trockene Zutaten wie Tee oder Gewürze, weil sie nicht auslaufen können, wenn mal Feuchtigkeit eindringt. Steingutdosen dagegen sind schwerer, oft schlicht in Weiß oder Creme mit aufgemalter Beschriftung, und halten die Temperatur im Inneren gleichmäßiger, was sie für Mehl und Zucker besonders geeignet macht. Ich mische beide bewusst, aber halte mich an eine Regel: nie mehr Blech- als Steingutdosen in einer Reihe, sonst wirkt das Regal schnell wie ein Ramschtisch.
Beschriftungen als heimliches Ordnungsprinzip
Viele alte Dosen tragen noch die originale Aufschrift, Mehl, Zucker, Reis, Kaffee, oft in verschnörkelter Schrift, die selbst dann noch charmant wirkt, wenn die Farbe stellenweise abblättert. Ich sortiere meine Sammlung konsequent nach diesen Beschriftungen und stelle nie zwei Dosen mit derselben Aufschrift nebeneinander, selbst wenn ich beide besitze. So wirkt die Reihe wie ein durchdachtes Set und nicht wie ein Sammelsurium doppelter Fundstücke, was bei mir anfangs tatsächlich mehrfach vorkam, bevor ich diese Regel für mich entdeckte.
Regalordnung: weniger sichtbar ist mehr
Auf der offenen Anrichte stehen bei mir nur 8 Dosen, sortiert nach Höhe von links nach rechts, mit den täglich gebrauchten Sorten wie Kaffee und Tee ganz vorn. Alles andere aus der Sammlung wandert in einen geschlossenen Schrank, wo es zwar aus dem Blick, aber nicht aus dem Haus verschwunden ist. Diese Trennung zwischen Schauseite und Vorrat war der eigentliche Wendepunkt: Sobald nicht mehr jede einzelne Dose sichtbar sein musste, wirkte die Küche insgesamt viel ruhiger, obwohl die Sammlung selbst nicht kleiner geworden war.
Warum ich nicht alles fülle
Die unbequeme Wahrheit über alte Blechdosen: Sie waren fast immer Verkaufsverpackung, nicht Aufbewahrung. Innen ist das Blech vielfach unlackiert oder nur mit einem Lack versehen, der nach Jahrzehnten nicht mehr dicht ist. Sitzt darunter Rost, gibt es Kontakt zwischen Lebensmittel und blankem Stahl, und bei feuchten oder sauren Inhalten ist das keine gute Idee.
Meine Lösung ist unspektakulär und funktioniert: ein Beutel oder ein Schraubglas kommt in die Dose. Die Dose bleibt Dekoration und Behälter zugleich, das Lebensmittel hat keinen Kontakt zum Blech, und die Dose selbst leidet nicht unter Feuchtigkeit. Für Kaffee und Tee, die stark aromatisieren, ist das ohnehin die bessere Wahl – eine Dose, in der zehn Jahre Zimtsterne standen, gibt diesen Geruch an alles weiter.
Steingut ist der Gegenfall. Ist die Innenglasur geschlossen und rissfrei, kann man ohne Bedenken Mehl, Zucker oder Nudeln hineinfüllen. Nur der Deckel fehlt oft, und ohne dichten Verschluss kommen Vorratsschädlinge hinein.
Wenn die Sammlung kippt: mein Zahlenlimit
Der Punkt, an dem eine Dosensammlung von schön nach unruhig kippt, lässt sich benennen. Bei mir liegt er bei etwa acht sichtbaren Stücken pro Regalbrett – darüber sieht das Auge kein einzelnes Objekt mehr, sondern eine Fläche. Das ist keine Geschmacksregel, sondern schlicht eine Beobachtung aus meinem eigenen Regal, an dem ich es zweimal übertrieben habe.
Was zusätzlich hilft: eine gemeinsame Eigenschaft festlegen und alles andere wegräumen. Bei mir ist es die Höhe – auf dem offenen Brett stehen nur Dosen zwischen 12 und 18 cm. Farbe und Dekor dürfen wild sein, solange die Silhouette ruhig bleibt. Der Rest steht im geschlossenen Schrank und wird zweimal im Jahr getauscht, was nebenbei den angenehmen Effekt hat, dass man die eigene Sammlung wieder wahrnimmt.
Vorratsschädlinge: der Grund für dichte Deckel
Alte Dosen schließen selten dicht, und das ist bei trockenen Lebensmitteln ein echtes Problem. Mehlmotten und Brotkäfer kommen bereits in der Packung ins Haus und wandern dann weiter. Eine Blechdose mit Stülpdeckel hält sie nicht auf; eine Steingutdose mit Korkdichtung schon, solange der Kork nicht ausgetrocknet ist.
Ich mache es deshalb zweistufig, wie oben beschrieben: Schraubglas oder Beutel hinein, Dose drum herum. Und einmal im Jahr räume ich das ganze Brett aus und wische es aus, weil sich Larven gern in Fugen und unter Dosenrändern verpuppen. Das klingt nach Aufwand, dauert aber eine halbe Stunde und erspart die Alternative, nämlich alles wegzuwerfen.
Was tatsächlich hineindarf
Nicht jede Dose bekommt bei mir Lebensmittelkontakt. Alte Blechdosen mit Rost im Inneren fülle ich grundsätzlich nicht mehr mit offenen Nahrungsmitteln, sondern nutze sie für Küchenpapier, Servietten oder kleine Backutensilien. Nur Dosen mit intaktem Inneren, ohne Rost oder abblätternde Farbe, kommen bei mir überhaupt in Kontakt mit Mehl oder Reis, und selbst dann meist mit einem zusätzlichen Beutel darin, einfach zur Sicherheit.



