Die meisten „Zinkwannen“ sind gar keine: sie bestehen aus verzinktem Eisenblech und sind deshalb magnetisch. Echtes Walzzink ist unmagnetisch, weicher und selten. Für Pflanzen macht das kaum einen Unterschied – für Bohrlöcher, Reparaturen und den Preis sehr wohl.
Die erste Zinkwanne, die ich bepflanzt habe, stand vorher jahrelang auf einem Bauernhof bei uns in der Nähe, halb versteckt hinter dem Hühnerstall, voller Dellen und mit einem Loch, das schon von selbst da war. Der Bauer wollte 5 € dafür haben und schaute mich an, als hätte ich ihn nach seinem Traktor gefragt. Ich habe sie trotzdem mitgenommen, auf dem Beifahrersitz, weil sie nicht in den Kofferraum passte, und den ganzen Weg nach Hause dachte ich, mein Auto riecht jetzt für immer nach Hühnerstall. Tat es zum Glück nicht.
Zink oder verzinkt? Der Unterschied, den kaum jemand nennt
Im Handel und in Anzeigen heißt beides Zink, es sind aber zwei Materialien.
Walzzink ist massives Zinkblech, unmagnetisch, relativ weich und mit einer matten, blaugrauen Oberfläche, die sich mit den Jahren gleichmäßig dunkel färbt. Es wurde vor allem für Dachrinnen, Waschtische und hochwertige Wannen verwendet.
Verzinktes Eisenblech ist Stahl mit einer dünnen Zinkschicht, feuerverzinkt und daher meist mit dem typischen Kristallmuster, dem sogenannten Zinkblumen-Muster. Es ist magnetisch. Wo die Zinkschicht durch ist, rostet es braun – und genau das sieht man an fast jeder alten Waschwanne, was beweist, dass es kein Vollzink ist.
Der Magnet klärt das in einer Sekunde. Praktische Folge: Bei verzinktem Blech muss jede Bohrstelle nachbehandelt werden, weil dort blanker Stahl freiliegt; bei Walzzink nicht. Und Walzzink kostet ein Vielfaches, weshalb es sich lohnt, den Unterschied zu kennen, bevor man den Preis akzeptiert.
Löcher bohren, ohne die Wanne zu ruinieren
Zink ist weicher, als man denkt, aber auch spröder an den Nähten. Ich bohre inzwischen immer von innen nach außen, mit einem kleinen Metallbohrer, langsam und mit wenig Druck, sonst reißt das Material an den gefalzten Kanten ein. Beim allerersten Versuch habe ich zu schnell gebohrt und einen hässlichen Riss produziert, den ich bis heute mit einem Farntopf kaschiere. Fünf bis sechs Löcher im Boden reichen bei einer mittelgroßen Wanne, gleichmäßig verteilt, nicht nur in der Mitte, sonst staut sich das Wasser trotzdem an den Rändern.
Wie alt ist die Wanne? Nähte, Griffe, Boden
Alte Wannen sind gefalzt und teils gelötet, jüngere gepunktet oder gefalzt und lackiert. Ich schaue auf drei Stellen.
Die Längsnaht: Eine breite, umgelegte Falznaht mit sichtbarem Lot ist alt. Eine schmale, maschinell gerollte Naht ohne Lot ist jünger. Die Griffe: Handgeschmiedete oder genietete Bügelgriffe mit Holzknauf sind ein gutes Zeichen; angepunktete Blechgriffe deuten auf Nachkriegsware. Der Boden: Alte Wannen haben oft einen eingesetzten, umlaufend gefalzten Boden, neuere einen tiefgezogenen aus einem Stück.
Reproduktionen erkennt man außerdem an der Regelmäßigkeit. Die Zinkblumen sind auf moderner Feuerverzinkung sehr gleichmäßig; auf alten Stücken sind sie unter der Patina meist gar nicht mehr zu sehen. Und ein neues Stück, das gleichmäßig „antik“ dunkel ist, wurde chemisch gealtert – echte Patina ist an Griffen und Kanten heller, weil sie dort abgerieben wurde.
Drainage ist keine Nebensache
Weil Zinkgefäße innen glatt sind, läuft Wasser dort schlechter ab als in einem Tontopf. Ich lege deshalb immer eine Schicht Blähton oder grobe Kieselsteine auf den Boden, bevor die Erde reinkommt, gut 5 cm hoch. Ohne diese Schicht stand bei mir einmal nach einer Regenwoche das Wasser tatsächlich im Wurzelbereich, und die Pflanze hat es mir mit gelben Blättern übelgenommen. Seitdem gehört diese Schicht für mich zum Ritual, genauso selbstverständlich wie das Gießen selbst.
Was in Zink und alten Gießkannen wirklich gedeiht
Am besten funktionieren bei mir Kräuter und Pflanzen, die keine tiefen, empfindlichen Wurzeln brauchen: Thymian, Geranien, kleine Sukkulenten in der durchlöcherten Gießkanne, die inzwischen als Deko auf der Fensterbank steht statt wirklich zu gießen. Zink heizt sich in der Sommersonne stärker auf als Ton, deshalb stelle ich größere Wannen lieber in Halbschatten oder achte auf regelmäßiges Gießen an heißen Tagen. Tiefwurzler wie Rosen würde ich in solchen Gefäßen eher meiden, dafür sind sie schlicht nicht gemacht, egal wie hübsch sie aussehen.
Dellen und Löcher: reparieren oder lassen
Eine Delle in einer alten Wanne ist Teil ihrer Geschichte und lässt sich meist nicht spurenlos ausbeulen – Zink und dünnes Blech behalten die Dehnung. Ich lasse sie deshalb. Ein Loch ist etwas anderes, und dafür gibt es zwei ehrliche Wege.
Der erste ist historisch: Ein Nietflicken aus demselben Material, mit einer Dichtung dahinter, wie es früher jeder Klempner gemacht hat. Sieht man, und das ist in Ordnung. Der zweite ist praktisch: Wenn das Gefäß ohnehin bepflanzt wird, ist ein Loch im Boden willkommen und der Rest egal.
Was ich nicht mache: mit Silikon oder Bauschaum abdichten. Beides hält an gealtertem Zink schlecht, sieht nach kurzer Zeit unschön aus, und man bekommt es nicht mehr ab, ohne die Oberfläche zu beschädigen. Bei Gießkannen mit undichter Brause gilt dasselbe: Entweder man benutzt sie als Deko – so wie die auf dem Bild, die längst nicht mehr gießt – oder man lässt die Lötstelle von jemandem richten, der Weichlöten kann.
Was Zink mit Pflanzen macht
Zink ist ein Spurenelement, das Pflanzen in kleinen Mengen brauchen, in größeren aber schädigt. In einem verzinkten Gefäß kommt das praktisch nur bei dauerhaft saurem Substrat oder stehendem Wasser zum Tragen – also genau in der Situation, die man ohnehin vermeidet.
Was ich trotzdem beachte: Für Essbares – Kräuter, Salat, Erdbeeren – nehme ich einen Kunststoffeinsatz und lasse die Wanne nur als Hülle. Für Zierpflanzen brauche ich das nicht. Und bei Moorbeetpflanzen wie Heidelbeeren oder Rhododendron, die sauren Boden verlangen, verwende ich grundsätzlich keine verzinkten Gefäße, weil ein pH-Wert unter 5 die Zinkschicht schneller angreift.
Der zweite Punkt ist die Temperatur. Metall heizt sich in der Sonne stark auf und kühlt nachts schnell aus; Wurzeln stehen dadurch in einem größeren Temperaturwechsel als in Ton. Eine Wanne an der Südwand ist deshalb kein guter Platz für Flachwurzler – das habe ich einem vertrockneten Thymian zu verdanken, der in einem Tontopf daneben problemlos überlebte.



