Als ich unsere erste gusseiserne Gartenbank aufgestellt habe, kam noch am selben Nachmittag der Nachbar vorbei und fragte, ob ich wüsste, dass die 'schon rostet'. Ich wusste es. Ich hatte sie extra so gekauft, mit sichtbaren rostbraunen Flecken auf dem Rankenmuster, weil eine blank lackierte Bank in unserem Garten wie ein Fremdkörper gewirkt hätte. Zwischen den Rosen und dem alten Apfelbaum sieht Rost einfach richtig aus. Das musste ich niemandem erklären, außer eben diesem einen Nachbarn, der es bis heute für einen Pflegefehler meinerseits hält.
Inzwischen grüßt er jeden Frühling mit dem gleichen Kommentar, fast wie ein Ritual, und ich antworte jedes Mal mit dem gleichen Lächeln, ohne mich noch zu rechtfertigen.
Rost ist nicht gleich Rost
Man muss allerdings unterscheiden. Oberflächlicher Flugrost, dieser feine rotbraune Belag, ist bei Gusseisen im Freien fast unvermeidlich und für die Stabilität meist unbedenklich. Gefährlich wird es erst, wenn sich Rost tief ins Material frisst und Löcher entstehen, vor allem an Verbindungsstellen und Schrauben. Bei unserem Gartentisch habe ich einmal genau dort ein Loch übersehen, bis ein Bein beim Auflehnen leicht nachgab. Seitdem prüfe ich im Frühjahr jede Strebe mit dem Fingernagel: Lässt sich Material wegkratzen, ist es Zeit zu handeln, bevor aus Charakter ein echtes Problem wird.
Einölen statt lackieren
Statt Rostschutzlack, der die Patina komplett zudeckt, arbeite ich lieber mit dünnem Öl, meist gewöhnliches Leinöl, das ich mit einem Lappen einreibe. Es zieht in die raue Oberfläche ein, verlangsamt weiteren Rostfraß und verändert die Optik kaum. Zweimal im Jahr reicht bei uns, einmal im Frühling nach dem Winter, einmal im Herbst vor der kalten Zeit. Wichtig ist nur, wirklich dünn aufzutragen, sonst bleibt das Öl klebrig liegen und sammelt Staub und Blätter, was am Ende unschöner aussieht als der Rost selbst.
Überwintern ohne Panik
Viele denken, Gusseisen müsse im Winter unbedingt unter Dach. Bei uns steht die Bank das ganze Jahr draußen, Frost macht dem Material selbst nichts aus, anders als etwa Terrakotta. Problematisch wird stehendes Wasser in Hohlräumen, das beim Gefrieren Risse verursachen kann. Ich kippe unseren Pflanzständer deshalb im Spätherbst kurz, damit sich kein Wasser in den Fußplatten sammelt. Das war's im Grunde schon. Mehr Aufwand braucht es nicht, um solche Stücke über viele Winter hinweg draußen stehen zu lassen, ohne dass etwas kaputtgeht.



