Niederländisches Stillleben mit Steinkrug und Delfter Schale

Vintage-Küche

Steingut und Keramik aus den Niederlanden in der deutschen Küche

Veröffentlicht 20. Juli 2026

Foto: Jan Jansz. van de Velde (III) · Public domain · Wikimedia Commons

Als ich vor über zwanzig Jahren nach Deutschland zog, passten in meinen Umzugswagen nicht viele Möbel, aber eine Kiste mit Steingutschüsseln aus meiner niederländischen Heimat habe ich unbedingt mitgenommen. Manche stammten von meiner Mutter, manche hatte ich selbst auf Märkten in Utrecht gekauft, alle in diesem typischen, leicht cremefarbenen Ton mit den charakteristischen dunklen Sprenkeln. Bis heute stehen einige davon in meiner deutschen Küche, mitten zwischen deutschem Steinzeug, und ich merke jedes Mal einen kleinen Stich Heimweh, wenn ich morgens den Kaffee daraus trinke.

Was mir hier anders auffällt

In deutschen Küchen begegnet mir häufiger glattes, gleichmäßig glasiertes Steingut, oft in gedeckten Landhausfarben, während die niederländischen Stücke aus meiner Kindheit eher unregelmäßig wirkten, mit sichtbaren Poren und leicht schiefen Rändern, weil viele davon noch von kleineren Töpfereien stammten. Diese Unregelmäßigkeit fand ich früher fast peinlich, verglichen mit dem makellosen Porzellan mancher Nachbarn, heute schätze ich genau daran, dass man die Hand des Töpfers noch spürt. Beide Traditionen haben ihren eigenen Charme, nur eben einen sehr unterschiedlichen.

Alltagsnutzung statt Vitrine

Ich benutze meine mitgebrachten Schüsseln tatsächlich fast täglich, für Salate, für Frühstücksmüsli, manchmal sogar zum Anrühren von Teig, obwohl mir bewusst ist, dass manche Sammler so etwas nur ausstellen würden. Für mich widerspricht Gebrauch nicht dem Respekt vor einem Stück, im Gegenteil, ich finde, Geschirr, das man täglich in die Hand nimmt, bleibt einem näher als Geschirr hinter Glas. Kleine Abnutzungsspuren am Rand einer Schüssel erzählen für mich mehr Geschichte als jede Vitrine es könnte.

Wo sich beide Kulturen in meiner Küche treffen

Auf meinem offenen Regal stehen niederländisches Steingut und deutsches Steinzeug bewusst nebeneinander, sortiert nicht nach Herkunft, sondern nach Farbe und Form. Eine cremefarbene niederländische Schüssel neben einem beigen deutschen Krug fällt kaum als „aus zwei Ländern“ auf, was mir eigentlich sehr gut gefällt. Es spiegelt für mich auch, wie ich selbst hier lebe: nicht als Fremde zwischen zwei Welten, sondern mit beiden gleichzeitig, ohne dass eine die andere verdrängen müsste.

Was ich Freunden rate, die selbst so etwas mitbringen wollen

Wenn Freunde aus den Niederlanden zu Besuch sind und fragen, ob sie Geschirr von zu Hause mitbringen sollen, sage ich immer: nehmt nur, was ihr wirklich benutzen wollt, nicht was am wertvollsten aussieht. Ein einziges Alltagsstück, das man täglich anfasst, bringt mehr Verbindung zur alten Heimat als eine ganze Vitrine voll ungenutztem Porzellan. Das habe ich selbst erst nach Jahren begriffen, als eine unbenutzte Schale in einer Kiste im Keller landete, statt an meinem Frühstückstisch.

Häufige Fragen

Passt niederländisches Steingut überhaupt zu deutschem Landhausstil?
Ja, gerade weil beide Traditionen mit natürlichen, gedeckten Farben arbeiten. Wichtig ist eher, nach Farbton statt nach Herkunft zu sortieren, dann fügt sich ein niederländisches Stück meist unauffällig zwischen deutsches Steinzeug ein.
Darf man altes mitgebrachtes Steingut noch täglich benutzen?
Solange keine Risse oder abgeplatzte Glasur vorhanden sind, spricht nichts dagegen. Ich prüfe jedes Stück vor dem Gebrauch kurz mit den Fingern auf scharfe Kanten, genau wie bei Emaille.
Wie reinigt man unregelmäßig glasiertes altes Steingut am besten?
Von Hand, mit warmem Wasser und ohne aggressive Reiniger, da die poröseren Stellen empfindlicher sind als glatte moderne Glasuren. Die Spülmaschine würde ich bei wirklich alten Stücken grundsätzlich vermeiden.
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