Niederländisches Steingut lässt sich fast immer über die Bodenmarke zuordnen: Maastricht steht für Petrus Regout und Société Céramique, Gouda für handbemaltes Plateel mit Dekorname und Malerzeichen, Makkum für Fayence auf gelblichem Scherben. Wer die drei kennt, erkennt neun von zehn Stücken.
Als ich vor über 20 Jahren nach Deutschland zog, passten in meinen Umzugswagen nicht viele Möbel, aber eine Kiste mit Steingutschüsseln aus meiner niederländischen Heimat habe ich unbedingt mitgenommen. Manche stammten von meiner Mutter, manche hatte ich selbst auf Märkten in Utrecht gekauft, alle in diesem typischen, leicht cremefarbenen Ton mit den charakteristischen dunklen Sprenkeln. Bis heute stehen einige davon in meiner deutschen Küche, mitten zwischen deutschem Steinzeug, und ich merke jedes Mal einen kleinen Stich Heimweh, wenn ich morgens den Kaffee daraus trinke.
Die drei Namen, die man kennen muss
Wer in den Niederlanden auf dem Flohmarkt steht, begegnet immer wieder denselben Häusern, und ihre Marken sind gut dokumentiert.
Maastricht ist die Massenware der Zeit von etwa 1840 bis 1960: Petrus Regout, ab 1899 als Sphinx firmierend, und die Société Céramique, beide später zu Mosa beziehungsweise Sphinx verschmolzen. Typisch sind gedruckte Dekore in Blau oder Braun auf hellem Steingut, oft mit dem Wort „Maastricht“ und einem Dekornamen im Bodenstempel.
Gouda steht für handbemaltes Plateel, vor allem aus den Jahren um 1900 bis 1940. Ein echtes Goudaer Stück trägt fast immer vier Angaben auf dem Boden: den Fabriknamen oder ein Signet, den Dekornamen, ein Malerzeichen und eine Modellnummer. Fehlt der Dekorname, lohnt Skepsis.
Makkum in Friesland arbeitet seit dem 16. Jahrhundert und produziert Fayence: eine zinnglasierte Ware auf gelblichem, weichem Scherben. Ein Makkumer Stück ist am Bruch oder am unglasierten Standring an diesem gelblichen Ton zu erkennen, während Delfter Ware des 20. Jahrhunderts weißer und dichter ist.
Was mir hier anders auffällt
In deutschen Küchen begegnet mir häufiger glattes, gleichmäßig glasiertes Steingut, oft in gedeckten Landhausfarben, während die niederländischen Stücke aus meiner Kindheit eher unregelmäßig wirkten, mit sichtbaren Poren und leicht schiefen Rändern, weil viele davon noch von kleineren Töpfereien stammten. Diese Unregelmäßigkeit fand ich früher fast peinlich, verglichen mit dem makellosen Porzellan mancher Nachbarn, heute schätze ich genau daran, dass man die Hand des Töpfers noch spürt. Beide Traditionen haben ihren eigenen Charme, nur eben einen sehr unterschiedlichen.
Steingut, Steinzeug, Porzellan: der Test am Standring
Die drei Begriffe werden auch von Verkäufern durcheinandergeworfen. Am unglasierten Standring lassen sie sich in Sekunden trennen.
Steingut ist bei niedriger Temperatur gebrannt, porös und saugfähig: ein Tropfen Wasser auf den Standring zieht sichtbar ein. Steinzeug ist dicht gesintert, der Tropfen bleibt stehen, und der Scherben ist grau bis beige. Porzellan ist dicht, weiß und lässt an dünner Stelle Licht durch; angeschlagen klingt es hell und lange nach.
Das ist die Erklärung für etwas, das viele an alten Schüsseln stört: Steingut bekommt mit den Jahren ein feines Rissnetz in der Glasur, weil sich Scherben und Glasur unterschiedlich ausdehnen. Diese Haarrisse – Craquelé – sind kein Defekt und kein Grund zur Sorge, solange die Schüssel nicht verfärbt riecht. Sie bedeuten aber, dass die Schüssel Feuchtigkeit aufnimmt und deshalb nicht über Nacht mit Essigsalat stehen sollte.
Benutzen statt bewundern
Ich benutze meine mitgebrachten Schüsseln tatsächlich fast täglich, für Salate, für Frühstücksmüsli, manchmal sogar zum Anrühren von Teig, obwohl mir bewusst ist, dass manche Sammler so etwas nur ausstellen würden. Für mich widerspricht Gebrauch nicht dem Respekt vor einem Stück, im Gegenteil, ich finde, Geschirr, das man täglich in die Hand nimmt, bleibt einem näher als Geschirr hinter Glas. Kleine Abnutzungsspuren am Rand einer Schüssel erzählen für mich mehr Geschichte als jede Vitrine es könnte.
Wo sich beide Kulturen in meiner Küche treffen
Auf meinem offenen Regal stehen niederländisches Steingut und deutsches Steinzeug bewusst nebeneinander, sortiert nicht nach Herkunft, sondern nach Farbe und Form. Eine cremefarbene niederländische Schüssel neben einem beigen deutschen Krug fällt kaum als „aus zwei Ländern“ auf, was mir eigentlich sehr gut gefällt. Es spiegelt für mich auch, wie ich selbst hier lebe: nicht als Fremde zwischen zwei Welten, sondern mit beiden gleichzeitig, ohne dass eine die andere verdrängen müsste.
Warum Bunzlau und Maastricht so leicht zu verwechseln sind
In deutschen Küchen steht viel Bunzlauer Ware, und die wird oft für niederländisches Steingut gehalten. Der Unterschied liegt im Scherben und in der Technik. Bunzlau ist Steinzeug: dicht gesintert, grau bis beige im Bruch, und die typischen Punkte und Pfauenaugen sind mit Schwämmchen aufgetragen. Maastrichter Ware ist Steingut: poröser Scherben, gedrucktes Dekor, häufig ein flächiges Umdruckmotiv.
Praktisch heißt das: Bunzlau darf in den Backofen und in die Spülmaschine, Maastricht besser nicht. Wer die beiden verwechselt, stellt eine poröse Steingutschüssel in den heißen Ofen und wundert sich über einen Sprung. Ich habe das einmal getan, mit einer Schüssel meiner Mutter, und deshalb steht dieser Absatz hier.
Zwei Unterscheidungshilfen ohne Bruchkante: Bunzlauer Stücke haben meist einen glasierten Boden mit drei kleinen Brennstützenpunkten, Maastrichter einen unglasierten Standring. Und Bunzlau klingt beim Anschlagen deutlich heller.
Was man beim Transport über die Grenze beachten sollte
Alte Keramik reist schlecht, und die meisten Schäden entstehen im Auto, nicht im Regal. Was bei mir seit dem ersten Umzug funktioniert: jedes Stück einzeln in ein Tuch, Schüsseln nicht ineinandergestapelt, sondern nebeneinander, und die Kiste so voll, dass nichts mehr rutschen kann. Zeitungspapier vermeide ich, weil die Druckerschwärze auf unglasiertem Standring abfärbt.
Und ein Hinweis für alle, die aus den Niederlanden mitbringen: Es lohnt sich, vor Ort in den kleinen Orten zu suchen statt in Amsterdam oder Delft. In Friesland, Groningen und Limburg kostet dieselbe Ware einen Bruchteil, weil sie dort nicht als Souvenir verkauft wird, sondern als das, was sie ist: gebrauchtes Geschirr.
Der Begriff, den Verkäufer falsch benutzen
Ein Wort noch zum Sprachgebrauch, weil es beim Kauf Geld kostet. „Delfter Blau“ ist keine Marke und kein Herkunftsnachweis, sondern eine Beschreibung eines Dekors – blaue Malerei auf weißem Grund. Solche Ware wurde und wird überall gemacht: in Delft, in Makkum, in Maastricht, aber auch in Deutschland, Portugal und China.
Wer nach „Delfter“ sucht, findet deshalb zu 90 % Ware, die nie in Delft war. Das ist kein Betrug, solange niemand etwas anderes behauptet – aber es erklärt den enormen Preisunterschied zwischen zwei Tellern, die auf einem Foto gleich aussehen. Der Beweis steht auf dem Boden, nicht auf der Vorderseite.
Was ich Freunden rate, die selbst so etwas mitbringen wollen
Wenn Freunde aus den Niederlanden zu Besuch sind und fragen, ob sie Geschirr von zu Hause mitbringen sollen, sage ich immer: nehmt nur, was ihr wirklich benutzen wollt, nicht was am wertvollsten aussieht. Ein einziges Alltagsstück, das man täglich anfasst, bringt mehr Verbindung zur alten Heimat als eine ganze Vitrine voll ungenutztem Porzellan. Das habe ich selbst erst nach Jahren begriffen, als eine unbenutzte Schale in einer Kiste im Keller landete, statt an meinem Frühstückstisch.



