Als ich vor über zwanzig Jahren nach Deutschland zog, passten in meinen Umzugswagen nicht viele Möbel, aber eine Kiste mit Steingutschüsseln aus meiner niederländischen Heimat habe ich unbedingt mitgenommen. Manche stammten von meiner Mutter, manche hatte ich selbst auf Märkten in Utrecht gekauft, alle in diesem typischen, leicht cremefarbenen Ton mit den charakteristischen dunklen Sprenkeln. Bis heute stehen einige davon in meiner deutschen Küche, mitten zwischen deutschem Steinzeug, und ich merke jedes Mal einen kleinen Stich Heimweh, wenn ich morgens den Kaffee daraus trinke.
Was mir hier anders auffällt
In deutschen Küchen begegnet mir häufiger glattes, gleichmäßig glasiertes Steingut, oft in gedeckten Landhausfarben, während die niederländischen Stücke aus meiner Kindheit eher unregelmäßig wirkten, mit sichtbaren Poren und leicht schiefen Rändern, weil viele davon noch von kleineren Töpfereien stammten. Diese Unregelmäßigkeit fand ich früher fast peinlich, verglichen mit dem makellosen Porzellan mancher Nachbarn, heute schätze ich genau daran, dass man die Hand des Töpfers noch spürt. Beide Traditionen haben ihren eigenen Charme, nur eben einen sehr unterschiedlichen.
Alltagsnutzung statt Vitrine
Ich benutze meine mitgebrachten Schüsseln tatsächlich fast täglich, für Salate, für Frühstücksmüsli, manchmal sogar zum Anrühren von Teig, obwohl mir bewusst ist, dass manche Sammler so etwas nur ausstellen würden. Für mich widerspricht Gebrauch nicht dem Respekt vor einem Stück, im Gegenteil, ich finde, Geschirr, das man täglich in die Hand nimmt, bleibt einem näher als Geschirr hinter Glas. Kleine Abnutzungsspuren am Rand einer Schüssel erzählen für mich mehr Geschichte als jede Vitrine es könnte.
Wo sich beide Kulturen in meiner Küche treffen
Auf meinem offenen Regal stehen niederländisches Steingut und deutsches Steinzeug bewusst nebeneinander, sortiert nicht nach Herkunft, sondern nach Farbe und Form. Eine cremefarbene niederländische Schüssel neben einem beigen deutschen Krug fällt kaum als „aus zwei Ländern“ auf, was mir eigentlich sehr gut gefällt. Es spiegelt für mich auch, wie ich selbst hier lebe: nicht als Fremde zwischen zwei Welten, sondern mit beiden gleichzeitig, ohne dass eine die andere verdrängen müsste.
Was ich Freunden rate, die selbst so etwas mitbringen wollen
Wenn Freunde aus den Niederlanden zu Besuch sind und fragen, ob sie Geschirr von zu Hause mitbringen sollen, sage ich immer: nehmt nur, was ihr wirklich benutzen wollt, nicht was am wertvollsten aussieht. Ein einziges Alltagsstück, das man täglich anfasst, bringt mehr Verbindung zur alten Heimat als eine ganze Vitrine voll ungenutztem Porzellan. Das habe ich selbst erst nach Jahren begriffen, als eine unbenutzte Schale in einer Kiste im Keller landete, statt an meinem Frühstückstisch.



