Eine alte Messinglampe erkennt man am Gewicht und daran, dass ein Magnet nicht haftet: massives Messing ist unmagnetisch und deutlich schwerer als vermessingtes Blech. Die Elektrik ist die eigentliche Frage. Bei allem, was vor etwa 1990 gebaut wurde, gehört sie in die Hände eines Fachbetriebs – der Messingfuß bleibt dabei unangetastet.
Der Stand war der letzte in der Reihe, kurz vor der Standabbau-Zeit, und der Händler wollte eigentlich schon seine Kisten zusammenpacken. Zwischen einem Karton mit Werkzeug und einem Stapel Tischdecken stand sie: eine Tischlampe aus Messing, mit einem Fuß, der aussah wie eine kleine Säule, und einem vergilbten Stoffschirm. Ich habe sie hochgehoben, gespürt, wie schwer echtes Messing ist, verglichen mit den leichten Nachbildungen, die man heute oft findet, und wusste, dass ich sie nicht wieder hinstellen würde.
Massiv oder nur vermessingt: drei Prüfungen am Stand
Am Stand habe ich damals nur das Gewicht geprüft, weil ich es nicht besser wusste. Heute mache ich drei Dinge, und zusammen dauern sie keine Minute.
- Magnet: Messing ist unmagnetisch. Haftet ein kleiner Magnet am Fuß oder am Schaft, steckt Eisen darunter und die gelbe Farbe ist eine Auflage.
- Gewicht: Ein massiver Messingfuß von 12 cm Durchmesser wiegt ein Vielfaches einer gleich großen Blechhülse. Wer beides einmal nebeneinander gehoben hat, braucht die Waage nie wieder.
- Kanten und Gewinde: An Stellen, die jahrzehntelang angefasst wurden, ist eine Vermessingung durchgerieben. Dort schimmert dann grau oder weißlich das Grundmetall durch. Bei massivem Messing ist der abgeriebene Bereich nur heller und wärmer im Ton, nie andersfarbig.
Ein häufiger Sonderfall: Zinkdruckguss mit Messingüberzug. Der ist ebenfalls unmagnetisch und täuscht den Magnettest. Er verrät sich am Klang – dumpf statt hell – und daran, dass Gussnähte sichtbar stehen bleiben, wo bei gedrehtem Messing eine saubere Rille sitzt.
Der Fund und die erste Ernüchterung
Zu Hause angekommen, steckte ich sie voller Vorfreude in die Steckdose, und nichts passierte. Kein Licht, nur ein leises Knacken, das mir sofort einen kleinen Schreck einjagte. Ein Blick auf das Kabel zeigte, warum: brüchiger Stoffmantel, an zwei Stellen fast durchgescheuert, dazu eine Fassung, die innen schwarz verkohlt war. Für 12 € hatte ich sie gekauft, und mir war klar, dass ich sie so nicht einfach anschließen durfte, so gern ich es auch gewollt hätte.
Wie alt ist die Lampe wirklich? Die Fassung sagt es
Der Korpus lässt sich schwer datieren, weil klassische Formen nachgebaut werden. Die Fassung nicht. Was dort steht, sagt weniger als das, woraus sie gebaut ist: eine Fassung mit Porzellaneinsatz und Messinggewinde ist älter als eine mit Kunststoffeinsatz, und Stoffumflochtene Zuleitungen wurden im Wohnbereich ab den sechziger Jahren nach und nach von PVC abgelöst.
Zwei weitere Anhaltspunkte. Ein zweipoliger Stecker ohne Schutzkontakt passt zu einer Leuchte der Schutzklasse II und ist bei Tischlampen bis heute üblich – er sagt also wenig. Ein Kippschalter aus Bakelit sagt viel: das Material wurde nach dem Krieg zunehmend durch andere Kunststoffe ersetzt und ist an seinem leicht phenolischen Geruch beim Reiben zu erkennen.
Fassung prüfen, Elektrik erneuern lassen
Ich bin mit der Lampe zu einem Elektriker in der Nachbarschaft gegangen, der sich, wie sich herausstellte, auf alte Leuchten spezialisiert hat. Er hat Kabel, Fassung und Schalter komplett erneuert, den Messingfuß aber unangetastet gelassen, samt der leichten Patina, die ich unbedingt behalten wollte. Das kostete etwas mehr als die Lampe selbst, aber ich sehe es so: Bei alter Elektrik spart man am falschen Ende, wenn man selbst herumbastelt.
Wer keine Lust auf die Elektriker-Odyssee hat, findet im Handel eine verstellbare Messing-Tischlampe mit opalweißem Schirm gesehen, die dem Original erstaunlich nahekommt, falls jemand keine Lust auf die Elektriker-Odyssee hat.
Was der Elektriker macht – und was er nicht anfassen soll
Ich habe gelernt, den Auftrag genau zu formulieren, weil sonst gut gemeinte Dinge passieren. Erneuert werden soll: Zuleitung, Fassung, Schalter, Zugentlastung. Unangetastet bleiben soll: der Messingkorpus, die Patina, originale Schrauben und, wenn irgend möglich, der originale Schirmhalter.
Zwei Punkte, die mir mein Elektriker erklärt hat und die ich seitdem weitergebe. Erstens: Eine alte Leuchte ohne Schutzleiter darf metallene Außenteile haben, wenn sie durchgängig doppelt isoliert aufgebaut ist – das zu beurteilen ist genau der Grund, warum ein Fachbetrieb draufschauen sollte. Zweitens: LED-Leuchtmittel sind für alte Lampen ein Gewinn, weil sie kaum Wärme erzeugen. Alte Stoffschirme und alte Kabelisolierungen altern durch Wärme schneller als durch Gebrauch.
Was so eine Reparatur kostet
Die ehrliche Rechnung, damit niemand überrascht wird: Der Fund kostete 12 €. Die Neuverkabelung lag deutlich darüber, ein neuer Schirm noch einmal in ähnlicher Höhe. Wer eine Flohmarktlampe kauft, sollte den Kaufpreis gedanklich verdreifachen, bevor er zuschlägt.
Das ist kein Argument gegen den Kauf. Es ist ein Argument gegen den Kauf von fünf Lampen an einem Tag. Ich habe zwei Jahre lang eine zweite Lampe im Keller stehen gehabt, weil ich die Reparatur immer wieder aufgeschoben habe. Irgendwann habe ich sie verschenkt – an jemanden, der sie am nächsten Tag zum Elektriker brachte.
Der Schirm: das Teil, das fast nie original ist
Bei Tischlampen vor 1970 fehlt der originale Schirm in den meisten Fällen, und das ist kein Makel, sondern die Regel: Stoffschirme aus Seide oder Papier halten selten länger als drei Jahrzehnte. Wer trotzdem nah ans Original will, achtet auf zwei Maße. Der Schirmdurchmesser sollte ungefähr dem Doppelten des Fußdurchmessers entsprechen, und die Schirmhöhe etwa einem Drittel der Gesamthöhe. Diese Proportion ist der Grund, warum viele nachgerüstete Lampen falsch aussehen, obwohl die Teile einzeln stimmen.
Der zweite Punkt ist die Aufnahme. Alte deutsche Leuchten arbeiten oft mit einem Schirmträger, der auf die Fassung geklemmt wird, jüngere mit einem Steckring über dem Leuchtmittel. Wer einen alten Träger hat, findet passende Schirme im Fachhandel; wer ihn nicht hat, sollte ihn nachkaufen, statt den Schirm anders zu befestigen. Ein an den Draht gebundener Schirm sitzt schief, und man sieht es vom ersten Tag an.
Wo sie heute steht
Die Lampe steht jetzt auf dem kleinen Beistelltisch neben meinem Lesesessel, dort, wo abends genug Licht zum Lesen fällt, ohne den restlichen Raum zu erhellen. Der Schirm ist inzwischen ausgetauscht, weil der alte zu vergilbt war, um ihn zu retten, aber die Form habe ich bewusst gleich gelassen. Wenn ich abends daran vorbeigehe und das warme Licht sehe, denke ich fast jedes Mal kurz an den Stand in Bamberg und den Händler, der schon fast seine Kisten zugemacht hatte. Manchmal frage ich mich, ob er ahnt, wie viel Freude sein letztes Stück des Tages noch bereitet.



