Als ich meinen ersten Nierentisch kaufte, wusste ich noch nicht einmal, wie er richtig heißt. Ich nannte ihn einfach „der komische Tisch mit der Bohnenform“, bis mir eine Verkäuferin auf einem Flohmarkt in Würzburg erklärte, dass diese geschwungene Tischplatte aus den fünfziger Jahren stammt und ihren Namen tatsächlich von der Form einer Niere hat. Seitdem stehen bei mir zwei Cocktailsessel und dieser Tisch im Wohnzimmer, und ich habe eine Weile gebraucht, um herauszufinden, wie viel von diesem Stil ein Raum eigentlich verträgt.
Proportionen, die den Unterschied machen
Ein Nierentisch wirkt am besten, wenn um ihn herum genug Luft bleibt. Bei mir stand er anfangs zu dicht am Sofa, sodass die geschwungene Form kaum zur Geltung kam und man ständig mit den Knien dagegenstieß. Erst als ich ihn etwas weiter in den Raum gerückt habe, mit mindestens vierzig Zentimetern Abstand zu jedem Sitzmöbel, konnte man die Linie der Platte überhaupt richtig sehen. Fünfziger-Jahre-Möbel leben von ihrer Silhouette, und die braucht Raum, um zu wirken, genau wie eine Zeichnung einen weißen Rand braucht.
Wie viele Stücke im selben Stil verträgt ein Raum
Zwei Cocktailsessel und ein Nierentisch reichen bei mir völlig aus. Als ich versuchsweise noch eine passende Sideboard-Anrichte aus derselben Zeit dazustellte, kippte der Raum von gemütlich in musealen Ausstellungsraum, was genau das ist, was ich vermeiden möchte. Meine Regel inzwischen: höchstens drei größere Fünfziger-Stücke pro Raum, alles andere darf neutraler oder aus anderen Jahrzehnten stammen.
Meine Freundin Elena, die selbst malt und ein gutes Auge für Balance hat, kam letztens vorbei und sagte, der Raum wirke jetzt wie ein einzelner gut komponierter Satz statt wie ein Wortschwall. Ich fand den Vergleich treffend, auch wenn ich ihn nicht ganz verdient hatte, denn bis dahin hatte ich tatsächlich versucht, jedes Fünfziger-Stück unterzubringen, das mir über den Weg lief.
Bezugsstoffe: worauf ich beim Neubeziehen achte
Meine Cocktailsessel hatte ich neu beziehen lassen, in einem strukturierten Wollstoff in Senfgelb, weil der originale Bezug regelrecht zerfasert war. Wichtig war mir dabei, die Form der Armlehnen und die schmalen Holzbeine sichtbar zu lassen, denn genau die machen den Sessel als Cocktailsessel erkennbar. Ein zu dicker Bezugsstoff verschluckt diese feinen Linien schnell. Bei der Farbwahl bin ich bewusst bei gedeckten Tönen geblieben, damit der Tisch mit seiner Holzmaserung weiterhin die Hauptrolle spielt.



