Ob ein verzierter Rahmen aus geschnitztem Holz oder aus gegossener Stuckmasse besteht, entscheidet über jede Reparatur. Massivholz kann man nachschnitzen, Kompositionsmasse bröckelt – und erkennt man an feinen Netzrissen quer über die Ornamente.
An der Treppe hängen bei mir sieben Bilderrahmen, keiner von ihnen enthält noch das Bild, für das er einmal gedacht war. Drei sind leer und rahmen nur die Wandfarbe dahinter, in zwei stecken Spiegel, einer zeigt ein Aquarell von Elena, und der letzte, mein liebster, umrahmt gar nichts außer einem alten Zeitungsausschnitt über einen Markt in Nijmegen. Vergoldete Rahmen vom Flohmarkt landen bei mir selten mit ihrem ursprünglichen Inhalt an der Wand. Meistens finde ich sie leer, manchmal mit einem traurigen Druck darin, und dann beginnt die eigentlich interessante Frage: Was passt hier stattdessen hinein?
Holz, Stuck oder Kunststoff?
Verzierte Goldrahmen bestehen selten aus geschnitztem Holz. Üblich ist ein Holzkern mit aufgesetzten Ornamenten aus Kompositionsmasse – einer Mischung aus Kreide, Leim und Öl, die in Formen gepresst wurde und im 19. Jahrhundert die Schnitzerei weitgehend ablöste.
Erkennen lässt sich das gut. Kompositionsmasse zeigt nach Jahrzehnten ein feines Netz von Trockenrissen quer über die Ornamente, weil sie schwindet, während der Holzkern arbeitet. An Fehlstellen sieht man eine weiße bis graubraune, kreidige Masse. Geschnitztes Holz zeigt an Bruchstellen Fasern und Jahresringe. Und moderne Kunststoffrahmen – seit den siebziger Jahren verbreitet – sind auffällig leicht, klingen hohl und haben eine gleichmäßige, nahtlose Oberfläche.
Praktische Folge: Fehlstellen in Kompositionsmasse lassen sich mit Kreide-Leim-Kitt ergänzen und nachformen, notfalls mit einem Silikonabdruck einer intakten Stelle desselben Rahmens. Bei Kunststoffrahmen lohnt das nicht.
Spiegel statt Bild
Mein liebster Trick ist, einen einfachen Spiegelzuschnitt vom Glaser in einen alten Rahmen setzen zu lassen. Das kostet meist wenig, weil nur das Glas ersetzt wird, nicht der ganze Rahmen, und ein vergoldeter oder cremefarbener Rahmen wirkt um einen Spiegel herum plötzlich viel wertvoller, als er allein je gewirkt hätte. Ich messe die Innenkante genau aus, gehe mit den Maßen zum Glaser und bitte um Rundum-Zuschnitt mit ein bis zwei Millimeter Spiel. Bei einem ovalen Rahmen aus Kleve hat das nicht auf Anhieb geklappt, der erste Zuschnitt war zu groß, und ich musste noch einmal hin. Seitdem messe ich lieber zweimal.
Blattgold, Schlagmetall oder Bronzefarbe
Auch die Vergoldung ist selten das, wofür man sie hält, und die drei Varianten sehen bei Kerzenlicht gleich aus.
Echtes Blattgold ist hauchdünn, läuft nicht an und zeigt an Kanten den roten oder gelben Bolus – die Grundierung, auf die es aufgetragen wurde. Diese roten Stellen an abgeriebenen Ecken sind das sicherste Merkmal. Schlagmetall ist eine Messinglegierung in Blattform, deutlich dicker, mit sichtbaren Blattgrenzen, und es läuft mit den Jahren grünlich oder bräunlich an. Bronzefarbe schließlich ist Metallpulver in Bindemittel, aufgepinselt: Sie zeigt Pinselstriche und wird stumpf.
Für die Behandlung heißt das: Blattgold niemals feucht reinigen und niemals überstreichen – höchstens mit einem weichen Pinsel entstauben. Schlagmetall verträgt vorsichtiges Abstauben. Bronzefarbe kann man notfalls nachpinseln, weil sie ohnehin nicht original ist. Wer einen echten Blattgoldrahmen mit Goldfarbe übermalt, hat aus einem Sammlerstück ein Deko-Objekt gemacht.
Eine Gruppe an der Wand
Einzeln wirken kleine Rahmen oft verloren, aber als Gruppe erzählen sie plötzlich eine Geschichte. Ich lege die Rahmen vorher auf dem Boden aus, verschiebe sie so lange, bis Abstände und Größen stimmig wirken, und übertrage die Anordnung erst dann mit Papierschablonen an die Wand. Wichtig finde ich, nicht zu symmetrisch zu arbeiten, ein leicht unregelmäßiges Muster wirkt lebendiger als eine strenge Reihe. Wer keinen alten Rahmen findet, dem ist mit einem Nachbau oft besser gedient als mit einem schlechten Original – etwa mit einem MadDeco Bilderrahmen Set in Vintage-Gold gesehen, das genau diese unregelmäßige Wirkung schon von Haus aus mitbringt, zwei unterschiedliche Formate im selben Goldton. So etwas mische ich gerne unter meine echten Flohmarktfunde.
Stockflecken und was dagegen hilft
Manche Rahmen riechen nach Keller, mit feinen bräunlichen Flecken auf der Rückpappe oder sogar im Holz selbst. Die Pappe tausche ich grundsätzlich aus, das ist günstig und beseitigt den Geruch fast vollständig. Bei Flecken direkt im Holz oder in der Vergoldung greife ich vorsichtig ein, mit leicht angefeuchtetem Tuch und viel Geduld, denn zu aggressives Schrubben trägt die Goldschicht sofort mit ab. Manche Flecken bleiben, und ich habe gelernt, sie als Teil der Geschichte zu akzeptieren, solange sie nicht mehr riechen. Ein Rahmen muss nicht makellos sein, um an meiner Wand zu hängen, er muss nur ehrlich aussehen.
Rahmen kaufen: worauf ich am Stand achte
Bilderrahmen sind eines der wenigen Gebiete, auf denen man auf jedem Markt fündig wird, weil fast niemand sie sammelt. Umso wichtiger ist die Auswahl. Ich prüfe drei Dinge, und alle drei gehen in einer Minute.
Erstens die Ecken: Alte Rahmen sind auf Gehrung geschnitten und mit Holznägeln oder geschmiedeten Stiften verbunden; klaffende Ecken lassen sich nachleimen, verzogene nicht. Zweitens die Rückseite: Alte Rahmen tragen dort oft Etiketten von Rahmenmachern, Ausstellungsnummern oder Bleistiftnotizen – das ist die Herkunft, und sie erhöht den Wert eines Rahmens deutlich. Drittens das Falzmaß, also das Innenmaß der Aussparung. Ein Standardmaß wie 30 × 40 cm ist Gold wert, weil man Glas und Passepartout fertig bekommt; ein krummes Maß bedeutet Sonderzuschnitt und damit einen dreistelligen Betrag beim Glaser.
Was ich stehen lasse: Rahmen mit stark bröckelnder Kompositionsmasse über die ganze Länge. Einzelne Fehlstellen kann man ergänzen, aber wenn die Masse sich flächig vom Holz löst, arbeitet der Kern, und das hört nicht mehr auf.
Das Glas, das man nicht sieht
Alte Rahmen enthalten meist einfaches Zylinderglas mit leichten Wellen und Blasen – schön, aber ohne UV-Schutz. Wer ein Aquarell oder eine alte Fotografie darin aufhängt, sollte das wissen: Direkte Sonne bleicht Aquarellfarben und Silbergelatineabzüge innerhalb weniger Jahre sichtbar aus.
Mein Kompromiss: Das alte Glas bleibt bei leeren Rahmen und bei Spiegeln, wo es ohnehin nichts schützen muss. Bei Bildern, die mir wichtig sind, lasse ich ein modernes Museumsglas einsetzen und bewahre das alte Glas auf, beschriftet, damit man den Eingriff später rückgängig machen kann.
Zweiter Punkt: die Rückwand. Alte Rahmen haben Pappen aus holzhaltigem, säurehaltigem Material, das Papier über Jahrzehnte bräunt – daher die typischen braunen Ränder auf alten Drucken. Säurefreies Passepartout und säurefreie Rückwand kosten wenig und sind die wirksamste Sache, die man für ein Bild tun kann.



