Als meine Mutter vor ein paar Jahren aus ihrem Haus in Nederland auszog, blieb eine Kiste übrig, die niemand haben wollte. Ganz unten, eingewickelt in eine Küchenschürze, lag ihre alte Wanduhr. Das Uhrwerk hatte seit Jahren stillgestanden, das Glas war blind vom Fett, und mein Bruder meinte nur: 'Claudia, das ist Sperrmüll.' Ich habe die Uhr trotzdem eingepackt, den ganzen Weg nach Deutschland, auf dem Schoß im Auto, weil ich Angst hatte, sie würde im Kofferraum zerbrechen. Bis heute weiß ich nicht genau, warum. Vielleicht, weil ich als Kind stundenlang auf dieses Zifferblatt gestarrt habe, wenn das Essen zu lange dauerte.
Das Uhrwerk, das nicht mehr wollte
Ein Uhrmacher in der Nachbarstadt hat mir gleich gesagt, dass sich die Reparatur des alten mechanischen Werks kaum lohnt – zu viele fehlende Teile, zu viel Rost an den Zahnrädern. Also habe ich mich für ein neues Quarzwerk entschieden, für ein paar Euro im Bastelladen, mit exakt der gleichen Wellenlänge wie das alte. Das Ausbauen war fummelig: kleine Schrauben, ein Zeiger, der beim ersten Versuch abbrach, und sehr viel Fluchen auf Niederländisch, das mein Mann zum Glück nicht versteht.
Danach lief die Uhr wieder, leise tickend, ohne das Pendel, das früher jede Stunde einmal aussetzte. Ehrlich gesagt vermisse ich dieses Aussetzen manchmal.
Das Zifferblatt bleibt, wie es war
Was ich nicht angerührt habe, ist das Zifferblatt selbst. Die Vergilbung, die kleinen Wasserflecken, die verblasste Schrift eines Herstellers, den es längst nicht mehr gibt – all das wollte ich behalten. Meine Freundin Elena Vittori, die Malerin, hat mich einmal gefragt, ob ich es nicht 'auffrischen' will, mit ein bisschen weißer Farbe. Ich habe entschieden Nein gesagt. Eine Küchenuhr, die aussieht wie neu gekauft, erzählt keine Geschichte mehr. Genau das ist doch der Punkt bei diesen alten Stücken: nicht perfekt, sondern echt. Ein glänzendes Zifferblatt würde mich jeden Morgen daran erinnern, dass ich etwas Vertrautes wegpoliert habe, statt es zu bewahren.
Der richtige Platz über dem Herd
Über dem Herd hängt bei mir seit jeher etwas, das die Zeit im Blick behält – meine Mutter hatte das genauso. Praktisch ist es tatsächlich: Wenn die Kartoffeln kochen, muss ich nicht erst zum Handy greifen. Wichtig ist nur, dass die Uhr nicht direkt im Dampfstrahl hängt, sonst zieht das Zifferblatt wieder Feuchtigkeit, und man fängt bei null an. Ich habe meine gut dreißig Zentimeter seitlich versetzt montiert, auf Augenhöhe beim Stehen am Herd, nicht zu hoch, wie es in manchen Küchen aus reiner Deko-Absicht gemacht wird. Eine Uhr, die man nicht ablesen kann, ohne den Kopf in den Nacken zu legen, hat ihren Sinn verfehlt.



