Ob ein blauweißer Teller echtes Delfter Stück oder Andenkenware ist, steht auf der Unterseite. De Porceleyne Fles zeichnet seit 1879 mit Flasche, den Initialen JT und einem Jahresbuchstaben; handgemalte Ware zeigt außerdem Pinselansätze und leichte Unregelmäßigkeiten, gedruckte nicht. Beim Aufhängen gilt: Federklammern statt Drahtbügel.
Im Haus meiner Großmutter in der Nähe von Delft hing im Flur eine ganze Wand voller blauweißer Teller, manche mit Windmühlen, manche mit Schiffen, einer sogar mit einem etwas schief gemalten Kuhbild, das sie besonders liebte. Als Kind fand ich diese Wand einschüchternd, fast wie eine Ahnengalerie, aber heute, mit einer eigenen kleinen Sammlung im Flur meines deutschen Hauses, verstehe ich, warum sie das so wichtig fand. Es sind keine Deko-Objekte im eigentlichen Sinn, es sind kleine Fenster in eine andere Zeit, und jede Wand voller Teller erzählt am Ende die Geschichte einer ganz bestimmten Familie.
Die Unterseite entscheidet
Ich drehe jeden blauweißen Teller zuerst um. Vier Dinge stehen dort, und zusammen ergeben sie ein ziemlich klares Bild.
- Die Marke: De Porceleyne Fles in Delft führt seit 1879 eine Marke mit stilisierter Flasche, den Initialen JT für Joost Thooft und einem Buchstaben für das Herstellungsjahr. Wer die Buchstabenreihe kennt, datiert ein Stück auf das Jahr genau.
- Die Signatur des Malers: Handbemalte Ware trägt oft ein Malerzeichen. Fehlt es bei einem Stück, das sonst nach Handarbeit aussieht, lohnt ein zweiter Blick.
- Der Fußring: Alte Ware ist unglasiert oder nur teilglasiert am Standring und fühlt sich dort rau an.
- Die Aufschrift: „Delfts Blauw“ oder „Hand painted in Holland“ ohne Fabrikmarke steht meist auf Andenkenware der Nachkriegszeit – schön, aber kein Sammlerstück.
Ein zweites Zentrum wird oft vergessen: Makkum in Friesland, wo seit dem 16. Jahrhundert gearbeitet wird. Makkumer Ware ist meist Fayence auf gelblichem Scherben, während die Delfter Manufaktur im 20. Jahrhundert auch auf weißeren, dichteren Scherben ging.
Tellerhalter: die unsichtbare Technik
Der wichtigste Trick beim Aufhängen ist, dass man den Halter praktisch nicht sehen soll. Ich verwende Federklammern aus Metall, die den Teller am Rand greifen und über einen kleinen Haken an der Wand hängen, sodass von vorne nur der Teller selbst sichtbar bleibt. Bei meiner Großmutter waren es noch klobigere Halter aus Draht, die man deutlich sah, aber die moderneren Varianten sind so schlank, dass selbst dünnere, ältere Teller sicher sitzen, ohne dass ein Riss entsteht, den man beim Andruck leicht übersieht.
Handgemalt oder gedruckt: der Blick aus 20 cm
Der zuverlässigste Test kostet nichts. Halten Sie den Teller schräg ins Streiflicht und schauen Sie aus etwa 20 cm auf eine Linie.
Handmalerei zeigt Ansatzpunkte, an denen der Pinsel neu aufgesetzt wurde, unterschiedlich starke Farbtiefe innerhalb einer Linie und kleine Abweichungen zwischen zwei eigentlich gleichen Ornamenten. Ein Umdruckdekor zeigt eine gleichmäßige Linienstärke, oft ein feines Punktraster, und bei mehrteiligen Motiven manchmal eine sichtbare Nahtstelle, wo das Papier überlappte.
Bei Fliesen ist die Kante wichtig. Alte niederländische Wandfliesen sind ungefähr 13 × 13 cm groß und an den Ecken oft angeschlagen, weil sie mit Kerben gesetzt wurden; die Rückseite zeigt gelblichen, porösen Scherben und häufig Nägelabdrücke aus der Herstellung. Eine moderne Fliese hat saubere Kanten und eine glatte, industriell gepresste Rückseite.
Anordnung: symmetrisch oder erzählend
Meine Großmutter hängte streng symmetrisch, in Reihen, nach Größe sortiert. Ich mache es lieber erzählend: ein großer Teller in der Mitte, kleinere darum herum, mit unterschiedlichen Abständen, sodass die Wand wie eine Sammlung wirkt und nicht wie ein Regal. Vor dem Bohren lege ich immer erst alle Teller auf dem Boden aus, in der geplanten Form, und laufe ein paarmal daran vorbei, weil ein Foto von oben oft täuscht und man erst im Vorbeigehen merkt, ob ein Abstand stimmt oder nicht.
Was Teller an der Wand kaputt macht
Nicht das Aufhängen an sich schadet, sondern die falsche Klammer. Die alten, federgespannten Drahtbügel drücken punktuell auf die Glasur und hinterlassen mit den Jahren feine Abplatzungen an der Fahne – bei meiner Großmutter sieht man das heute an fast jedem Teller. Moderne Federklammern mit Kunststoffauflage verteilen die Kraft und greifen weicher.
Zwei weitere Schäden kommen aus der Umgebung. Direkte Sonne bleicht die Blaumalerei über Jahre tatsächlich aus, besonders bei Fliesenbildern hinter Glas. Und ein Teller über der Heizung nimmt jeden Winter einen Temperaturwechsel mit, der bei porösem Scherben Haarrisse fördert. Ich hänge deshalb nichts Wertvolles über einen Heizkörper – dort hängen bei mir die Nachbildungen.
Reinigen, ohne die Blaumalerei anzugreifen
Bei blauweißer Ware unterscheide ich zwischen Unterglasur- und Aufglasurmalerei, weil das über die erlaubte Behandlung entscheidet. Unterglasurblau liegt unter der Glasur und ist praktisch unverwüstlich; man spürt beim Darüberstreichen keinen Absatz. Aufglasurdekor sitzt oben auf und ist fühlbar erhaben – dort reicht schon ein Scheuerschwamm, um Konturen abzutragen.
Meine Routine ist kurz: lauwarmes Wasser, ein Tropfen mildes Spülmittel, weicher Lappen, kein Einweichen. Keine Zitronensäure und kein Backpulver, auch wenn beides in Haushaltsratgebern steht: Bei porösem Scherben mit Haarrissen zieht die Lösung ein und arbeitet dort weiter. Vergilbte Haarrisse sind übrigens ein Alterszeichen und kein Schmutz. Wer sie herausbleichen will, zerstört genau das Merkmal, an dem ein Sammler das Stück datiert.
Echt und Nachbau mischen
Nicht jeder Teller in meiner Sammlung ist alt. Manche sind neuere Nachbildungen, die ich bewusst dazwischenhänge, weil echte antike Delfter Teller mit den Jahren teuer und selten geworden sind. Ich habe neulich in einem Online-Shop ein Delfter-Blau-Fliesenbild mit deutschem Schäferhund gesehen, das mit einem Augenzwinkern beide meiner Heimatländer verbindet, und ich überlege ernsthaft, es zwischen die alten Stücke zu hängen. Die Mischung stört mich nicht, solange die Grundfarbe und der Glanz einigermaßen zusammenpassen.
Für mich zählt am Ende nicht das Echtheitszertifikat, sondern ob die Wand beim Betreten des Flurs ein Gefühl von Zuhause auslöst, so wie es bei meiner Großmutter der Fall war.



