Mein Schlafzimmer hat ein schmiedeeisernes Bett, zwei völlig unterschiedliche Nachttische und einen Spiegel mit so viel Patina, dass man das eigene Gesicht darin nur noch erahnt. Für viele wäre das ein Widerspruch zu einem Ort, an dem man eigentlich zur Ruhe kommen soll, aber bei mir ist genau das Gegenteil der Fall. Alte Stücke haben schon so viel erlebt, dass sie nichts mehr beweisen müssen, und dieses Fehlen von Anspannung überträgt sich, finde ich, tatsächlich auf den ganzen Raum.
Das Metallbett als Ausgangspunkt
Ich habe das Bettgestell vor Jahren auf einem Hofflohmarkt in der Nähe von Fulda gefunden, komplett verrostet und mit einer Matratzenauflage aus einer Zeit, die ich lieber nicht näher beschreibe. Das Gestell selbst ließ sich mit feiner Stahlwolle und etwas Leinöl retten, die geschwungenen Metallstäbe am Kopfteil sind bis heute mein liebstes Detail im ganzen Zimmer. Wichtig war mir, den Rost nicht komplett zu entfernen, sondern nur die losen Stellen, damit das Bett seine Geschichte nicht verliert.
Nachttische, die bewusst nicht zusammenpassen
Links vom Bett steht ein kleines Beistelltischchen aus Kiefer, rechts ein wesentlich höherer Nachttisch mit Marmorplatte, den ich eigentlich für das Wohnzimmer gekauft hatte. Diese Ungleichheit war zuerst ein Kompromiss, weil ich einfach kein passendes Paar fand, aber inzwischen mag ich sie bewusst so. Ein Schlafzimmer mit zwei identischen Nachttischen wirkt schnell wie ein Hotelzimmer, während zwei unterschiedliche Stücke dem Raum sofort etwas Persönliches geben, solange Höhe und Materialfarbe grob zueinander passen.
Der Spiegel mit Patina
Der Spiegel über der Kommode hat blinde Stellen, an denen die Silberschicht sich mit den Jahrzehnten aufgelöst hat, und genau das gefällt mir daran. Ein neuer, makellos klarer Spiegel würde in diesem Raum fast kalt wirken. Ich habe ihn absichtlich nicht neu verspiegeln lassen, obwohl ein Restaurator mir das angeboten hatte, weil die unregelmäßigen Flecken am Rand fast wie Wolken aussehen und dem Morgenlicht etwas Weiches geben.
Was ich nicht gebraucht gekauft habe: die Matratze
Bei aller Liebe zu alten Stücken gibt es eine klare Grenze, und die heißt bei mir Matratze. So schön ein antikes Bettgestell auch ist, das, worauf man tatsächlich schläft, kaufe ich immer neu. Eine gebrauchte Matratze kann man von außen kaum beurteilen, weder ihre Hygiene noch ihre Stützkraft, und Rückenschmerzen sind mir den vermeintlichen Charme dann doch nicht wert. Diese eine Regel halte ich konsequent ein, bei allem anderen im Raum bin ich deutlich großzügiger.



